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Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim | Foto: Redaktion

In dieser Ausgabe von “Charlottenburg in Bewegung” ist Oliver Springer vor Ort in der Villa Oppenheim in der Schloßstraße 55 und spricht mit Janik Wetzel, der dort als wissenschaftlicher Volontär tätig ist.

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim | Foto: Redaktion

In der Villa Oppenheim ist das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf untergebracht, aber auch der Ort selbst ist Thema. Schließlich hat die repräsentative Gründerzeitvilla selbst eine interessante Geschichte, die eng mit der Geschichte Charlottenburgs verbunden ist.

Janik Wetzel vom Museum Charlottenburg-Wilmersdorf | Foto: Redaktion

Das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf widmet sich vor allem der Erforschung und Vermittlung der Stadtgeschichte des Bezirks und der Berliner Kulturgeschichte.

Die Villa Oppenheim beherbergt mehrere Ausstellungsbereiche, darunter die Dauerausstellung “WESTEN!”, die die Stadtgeschichte Charlottenburg-Wilmersdorfs in verschiedenen Epochen multimedial und objektbezogen erzählt.

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim | Foto: Redaktion

Die Dauerausstellung gliedert sich in die vier Bereiche “Boulevard”, “Kino”, “Medienstation” und “Bezirkspantheon”. Janik Wetzel weist beispielsweise darauf hin, dass die Ausstellung durch Vitrinen, die den Schaufenstern des Kurfürstendamms nachempfunden sind, einen spielerischen Aspekt erhält.

An der Medienstation können historische Karten und Pläne übereinander gelegt und die Entwicklung des Bezirks nachvollzogen werden.

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim | Foto: Redaktion

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Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim
Schloßstraße 55/Otto-Grüneberg-Weg
14059 Berlin
Fon +49 30 – 90 29 24 108

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Transkript zur Episode

Oliver Springer: Charlottenburg in Bewegung, ich bin Oliver Springer und heute vor Ort in der Villa Oppenheim in der Schloßstraße 55. Zu Gast ist heute Janik Wetzel vom Museum Charlottenburg-Wilmersdorf. Hallo.

Janik Wetzel: Hi.

Oliver Springer: Am besten stelleb Sie sich selbst kurz vor.

Janik Wetzel: Ja, genau, ich bin Janik Wetzel, ich bin seit April ’22 hier am Haus wissenschaftlicher Volontär. Vielleicht sagt einigen der Begriff Volontariat was, kann ich vielleicht auch noch mal kurz einführen. Also, es klingt immer so ein bisschen nach freiem sozialem Jahr, aber es ist quasi so ein bisschen vergleichbar mit dem Referendariat an Schulen.

Das ist mein Ausbildungsverhältnis am Museum, wo ich jetzt nach und nach die einzelnen Bereiche kennengelernt habe, also auch im Archiv gearbeitet, an Ausstellungen und so im Veranstaltungsprogramm. Bin Kulturwissenschaftler, studiert und eben auch Charlottenburger seit sechs Jahren, glaube ich, jetzt, 2017.

Oliver Springer: Na, immerhin.

Janik Wetzel: Hat’s mich, hat’s mich her verschlagen und dann …

Oliver Springer: Freiwillig oder so aus Interesse an Charlottenburg oder hat sich das irgendwie nur anders ergeben?

Janik Wetzel: Schon auch freiwillig, wobei das Interesse an Charlottenburg dann so nach und nach kam. Also, ich bin zum Masterstudium hergezogen, das in Potsdam war, also an der Uni Potsdam. Wollte aber gerne in Berlin leben. Und dann hatte ich aber auch so keine große Präferenz, was die Bezirke anging. Und man kann sich’s ja eh auch nicht so genau aussuchen, ich habe dann überall gesucht und dann ist es irgendwie Charlottenburg geworden und geblieben und jetzt auch so über die Arbeit am Bezirksmuseum irgendwie nochmal mehr, mehr Bezug zum Bezirk auch hergestellt, also ist irgendwie, ist einem doch ans Herz gewachsen, so, ja.

Oliver Springer: Ja, dann lassen Sie uns erst mal einen ganz kurzen Überblick geben: Was gibt es hier im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf zu sehen?

Janik Wetzel: Also, wir haben vergleichsweise für die Bezirksmuseen eine große Fläche. Es gibt eben einmal, wenn man unten reinkommt, gib’s im Foyer die Ausstellung “Sorgenfrei”, die sich eben mit den ehemaligen Bewohner*innen des Hauses beschäftigt und die Familiengeschichte der Oppenheims und Mendelsohns und auch den Bau des Hauses erzählt.

Dann haben wir Ausstellungsbereiche zur Bezirksgeschichte, einmal die Ausstellung “WESTEN!”, die sich in eine objektgeschlichen Erzählung gliedert, aber wir haben auch einen Kinoraum, was recht besonders ist, wo wir Filme zur Bezirksgeschichte und auch historisches Filmmaterial bereitstellen und das auch für Veranstaltungen genutzt wird. Das eine oder andere Filmscreening findet ja auch immer wieder statt.

Und dann haben wir eben noch einen recht großen Sonderausstellungsraum auch im Erdgeschoss. Ja, gerade die Kooperationsausstellung mit dekoloniale Zeit, “Solidarisiert euch! Schwarzer Widerstand und globaler Antikolonialismus in Berlin”, der Zwischenkriegszeit, also im Weimarer Berlin.

Und im ersten Geschoss, das nimmt fast ausschließlich die Kunstsammlung ein. Also, es ist bei uns noch mal besonders, dass wir als Bezirksmuseum eben auch eine Kunstsammlung zeigen können, die von Hugo Rauschendorf dem Bezirk übergeben wurde und hauptsächlich Malerei der Berliner Sezession enthält.

Und dann haben wir eben noch einen kleineren Sonderausstellungsraum im ersten Geschoss, das sogenannte Kabinett. Das ist so ein kleiner, quadratischer Raum, wo wir auch wechselnde Ausstellungen zeigen. Zurzeit die Ausstellung “Marta” von der Künstlerin Sonya Schönberger, die sich künstlerisch mit dem Nachlass, mit dem persönlichen Nachlass von Marta Feuchtwanger auseinandergesetzt hat. Und genau, unterm Dach ist dann noch das Archiv und die Bibliothek. Also, wir haben quasi alles unter einem Haus.

Oliver Springer: Und das ist auch zugänglich, dann am Dach?

Janik Wetzel: Genau. Also, das ist von dienstags bis freitags geöffnet, nach vorheriger Anmeldung. Also, wenn man jetzt zum Beispiel ein lokales Rechercheanliegen hat oder auch ein wissenschaftliches, dann kann man sich gerne anmelden. Dann werden einem Objekte bereitgestellt zur Recherche, und dann kann man da ein bisschen stöbern und das für die eigene Recherche nutzen.

Oliver Springer: Dann reicht ein Tag überhaupt nicht, um hier alles zu erleben.

Janik Wetzel: Genau, auf jeden Fall.

Oliver Springer: Für uns als Lokalpodcast am interessantesten ist natürlich die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte unseres Bezirks. Warum trägt die den Namen “WESTEN!” und das in Großbuchstaben mit Ausrufezeichen geschrieben?

Janik Wetzel: Ja, vielleicht kurz zu der Ausstellung, die ist 2014 entstanden und hat eben diesen Namen gewählt einfach weil Charlottenburg-Wilmersdorf, oft, also seit Stadtwerdung und Stadtgründung auch so dieser Rang als zweites Stadtzentrum neben der historischen Mitte Berlins eben auch oft zugesprochen wurde.

Und es hatte viel einfach diesen repräsentativen Faktor, Westberlin zu verkörpern, auch als Teil einer, ja, mitteleuropäischen Metropole, irgendwie so die Idee des Westens zu repräsentieren und zu verkörpern, heute eben auch als City West eben nicht nur zu Zeiten der Teilung Berlins und Deutschlands, sondern auch darüber hinaus. Deswegen wurde der gewählt. Die Ausstellung ist aber auch schon lange hier im Haus zu sehen, seit 2014 eben.

Oliver Springer: Ja, auf der Website des Museums, da steht in der Beschreibung der Ausstellung: “Multimedial und objektnah erzählt die Ausstellung von Ereignissen und Personen, die den Bezirk über gut drei Jahrhunderte geprägt haben.” Multimedial, da kann ich mir was vorstellen. Objektnah, was meint das?

Janik Wetzel: Genau, zu multimedial ist ja das Kino vielleicht ein gutes Stichwort. Objektnah finde ich ganz schön, weil … Es gibt eben diesen Sonderausstellungsraum zu “WESTEN!”, der wirklich chronologisch bezirkliche Zeitgeschichte erzählt. Und es passiert eben über Objekte. Also, es gibt natürlich auch Wandtexte, die es historisch einordnen und die verschiedene, also die Chronologie von der Stadtwerdung Charlottenburgs bis heute nachzeichnen.

Aber das passiert eben alles auch über die Objektebene, also es ist in verschiedenen Schaukästen dargestellt. Es sind verschiedene Objekte zu den Perioden zusammengestellt. Und es erlaubt ebenso ganz gut, Impulse zu geben für Geschichtserzählung.

Also, man muss quasi nicht reingehen und quasi jetzt vornehmen, 300 Jahre Bezirksgeschichte von vorne bis hinten einmal durchzuarbeiten, sondern es ist eben ganz nett, dass verschiedene Objekte Impulse geben, sich damit näher auseinanderzusetzen. Und man kann so ein bisschen durch die Ausstellung schlendern und einhaken, wo man möchte.

Oliver Springer: Vielleicht mal ein oder zwei Objekte als Beispiel nennen. Was steht da?

Janik Wetzel: Also, ich fange vielleicht mit dem ältesten an, was man jetzt erst mal nicht so erwartet, wenn man so auf, drei Jahre, 300 Jahre Bezirksgeschichte irgendwie schaut. Also, das älteste Fragment, was sich tatsächlich hier befindet, ist ein Schädelfragment von einem Steppenwisenten, also von einem Bison, was bei dem Bau der heutigen U-Bahnlinie U2 gefunden wurde, in 1908 und so quasi das älteste in Charlottenburg lebende Wesen irgendwie dokumentiert, wo man so einen Fund von hatte.

Das ist natürlich ein bisschen kurios und auch ein bisschen verspielt, so als Einstieg, aber trotzdem irgendwie – also stellt noch mal so ganz gut diese eklektische Zusammenstellung dar der Objekte unten in der Ausstellung.

Was ich persönlich auch ziemlich interessant finde: Wir haben einen Elektrizitätszähler und ein Radio noch unten stehen. Der Elektrizitätszähler trägt den Namen “Aron”. Der geht eben zurück auf einen jüdischen Erfinder und Industriellen, Hermann Aron, der von 1945 bis 1913 gelebt hatte. Und der hat eben 1884 einen Elektrizitätspendelzähler entwickelt und patentieren lassen, der den Stromverbrauch erstmals korrekt messen konnte.

Und das war natürlich eine Innovation zu der Zeit. Die vermarktete er auch eben unter seinem Familiennamen Aron als Produktnamen, europaweit unter seinem Familiennamen. Das Unternehmen, das er da gegründet hatte, war eben auch in einem Gewerbehof in der Wilmersdorfer Straße, Ecke Bismarckstraße ansässig.

Und im Gegensatz dazu fast daneben befindet sich das Radio “Nora”, was eben sein Sohn Manfred Aron, Ende der Zwanzigerjahre entwickelt hatte, ist in die boomende Produktion der Radioempfänger eingestiegen. Das trägt aber nicht mehr den Namen Aron, sondern ein Anagramm des Namens Aron: “Nora”, weil er eben aufgrund der jüdischen Herkunft des Namens sich gezwungen sah, die zu ändern.

Und so hat man eben an so Alltagsgegenständen, die irgendwie jeder kennt, und an Namen dieser Alltagsgegenstände direkt größere, geschichtliche, Komplexe aufgemacht und kann dann eben anhand derer erzählen. Also, das finde ich zum Beispiel ganz schön, wenn man so in Alltags- und Industriekultur eintaucht und darüberhinaus größere Geschichtserzählung dann aufmachen kann.

Oliver Springer: Die Dauerausstellung “WESTEN! – Stadtgeschichte Charlottenburg-Wilmersdorf”, die besteht ja aus vier Teilen: “Boulevard”, “Kino”, “Medienstation” und “Bezirkspantheon”. Fangen wir mit dem “Boulevard” an und dort mit etwas, was ja erst auf den zweiten Blick auffällt, nämlich die Vitrinen.

Janik Wetzel: Ja, ich hatte ja eben auch schon so ein bisschen gesagt, man kann durch die Ausstellung schlendern. Die eingesessenen Charlottenburger und Charlottenburgerinnen, die durch die Ausstellung gehen, erkennen es meist direkt: Die Vitrinen, in denen die Objekte ausliegen, sind den Schaukästen am Kurfürstendamm nachempfunden, also den Schaukästen, die außerhalb der Geschäfte die Waren darstellen. Was auch noch mal so ein spielerischer, ja ein spielerisches Gestaltungselement …

Oliver Springer: Über die sich viele Leute auch schon aufgeregt haben, weil die im Weg stehen. Ja, die sind nicht nur beliebt, ich find die gut, aber hat nicht nur Fans.

Janik Wetzel: Ja, aber es ist echt oft das Erste, was Leute direkt erkennen, zumindest wenn sie aus der Stadt kommen.

Oliver Springer: Ja, und dann in den Vitrinen sind dann die Objekte.

Janik Wetzel: Genau, ja, und um die Wände herum hat man dann einordnen Wandtexte, wo man noch mal so ein bisschen vertiefen dazu den jeweiligen Zeitperioden, lesen kann und ein bisschen Kontext bekommen kann. Wir haben auch großgezogene Photographien noch an den Wänden, also zum Beispiel auch von der Gedächtniskirche noch groß hinten im Hintergrund.

Oliver Springer: Was verbirgt sich hinter dem interessanten Begriff “Bezirkspantheon”?

Janik Wetzel: Ja, im “Bezirkspantheon”, das ist ein kleiner Bereich im Foyer, ich hatte dir ja vorhin schon gesagt, dass das Foyer hauptsächlich der Hausgeschichte dient. Und die Hausgeschichte erzählt. Es gibt aber eben noch den kleinen Bereich des “Bezirkspantheons”, der es uns erlaubt, historische Persönlichkeiten aus dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hervorzuheben. Unter anderem ist da Heinrich Zille platziert, aber auch Anna von Gierke, die man jetzt vielleicht aus dem öffentlichen Raum von der von der Gierkezeile kennt, die da auch ’ne Ehrung im Stadtraum erfahren hat.

Oliver Springer: Teil drei und vier fasse ich mal zusammen: “Kino” und “Medienstation”.

Janik Wetzel: Genau. befinden sich auch in einem Raum. Zum “Kino” hatte ich ja auch schon kurz erwähnt, dass wir da historisches Filmmaterial zeigen. Das ist einmal Stadtgeschichte der Bezirke und der Entwicklung der Bezirke. Es gibt, wird aber auch Filmmaterial gezeigt zu Zerstörung und Wiederaufbau, dann zu Kunst und Industrie, aber auch zu politischen Morden im Bezirk.

Und diese “Medienstation”, die ist wie so eine Art interaktive Karte, also sie befindet sich auch im selben Raum und erlaubt es historische Karten und Pläne übereinanderzulegen, irgendwie die verschiedenen Zeiten der Stadt quasi nach und nach abzuklicken und zu schauen, was …

Oliver Springer: Auch in ihrer Entwicklung.

Janik Wetzel: Genau. In ihrer Entwicklung nachzuzeichnen und zu schauen, was sich verändert hat. Dort sind eben auch Erinnerungszeichen des öffentlichen Raums markiert, also zum Beispiel auch, wo befinden sich Stolpersteine in der Stadt und weitere Erinnerungszeichen an historische Persönlichkeiten oder Geschichtsereignisse.

Oliver Springer: Bevor Charlottenburg und Wilmersdorf ein gemeinsamer Bezirk wurden, da gab es ja schon das Charlottenburger Heimatmuseum. Seit wann gibt dieses gemeinsame Museum denn?

Janik Wetzel: Genau, also das Charlottenburger Heimatmuseum wurde 1987 gegründet. Dafür wurde die stadtgeschichtliche Sammlung eben neu ausgebaut. Eine frühere Sammlung war bereits im Turm des 1905 erbauten Rathauses untergebracht. Davon ist leider heute kaum etwas überliefert, weil das durch einen Bombentreffer im Jahr 1943 einfach zerstört wurde. Deswegen haben wir davon gar nicht mehr so viel hier.

Aber in ’55 legte sich dann das sogenannte Heimatarchiv, anlässlich der 250-Jahr-Feier Charlottenburgs, aus Restbeständen dieser ehemaligen Sammlungen, sowie auch Teil des Fotoarchivs und der Bezirksbildstelle zusammen.

Und im Jahr 2012 gab es dann eben eine Zusammenführung, also noch nochmal zwischen ’87, der Gründung des Charlottenburger Heimatmuseums, und der dann darauffolgenden Zusammenlegung auch der Bezirke. 2012 wurden eben diese Räumlichkeiten hier in der Villa Oppenheim bezogen und auch öffentlich genutzt.

Oliver Springer: Die Villa Oppenheim ist ja ein imposantes Gebäude und wäre auch für sich so eine, ja, so eine Station immerhin, wenn man sich Charlottenburg anguckt, schon eine Art Sehenswürdigkeit.

Janik Wetzel: Ja, auf jeden Fall. Ich habe auch das Gefühl, dass viele auch zunächst die Gegend und auch auf das Museum neugierig werden, weil man eben den Bau von Weitem sieht und das auch erst mal ein interessantes Gebäude findet.

Vielleicht kurz zur Geschichte der Villa Oppenheim, was wir auch unten thematisieren: Es war ebenso, dass in 1847 Alexander Mendelssohn, der Enkelsohn des bekannten Philosophen und Kaufmanns Moses Mendelssohn, das Grundstück an der Schloßstraße hier käuflich erworben hat. Vorher war es eben noch ein Martstall des Schlosses, des anliegenden Schlosses. Gemeinsam mit seiner Frau Marianne ließ er sich dann ein eingeschossiges Haus als Sommerresidenz erbauen. Das war eben auch zu der Zeit, wo hier, also zu, im späten 19. Jahrhundert, wo hier viele Sommerresidenzen errichtet wurden und … genau … ein eingeschossiges Haus als Sommerresidenz. Und nachdem die beiden dann verstorben waren, hat die älteste Tochter Margarete sowie ihr Mann, der Jurist Otto Georg Oppenheim, das Anwesen vererbt bekommen.

Und die ließen es dann in 1881 noch mal von dem Architekten Christian Heidecke großzügig eben in diesem Gründerzeitstil, wie man ihn jetzt auch heute präsent wahrnimmt, ausbauen. Nach dem Tod Otto Georg Oppenheims wurde die Villa dann 1911 an die Stadt Charlottenburg verkauft. Also, das war sozusagen der Übergang, als es dann quasi an die Stadt, also nicht übergeben, aber verkauft wurde und dann quasi eine öffentliche Einrichtung war.

Im Zuge des 20. Jahrhunderts hat es dann auch viele öffentliche, also viele Rollen, viele öffentliche Rollen eingenommen, allen voran die einer Schule. Also hier anliegend ist ja auch noch die Schule am Schloss. Das war früher auch noch Teil von diesem Haus. Also wenn wir jetzt hier quasi, wir haben quasi eine direkte Tür, eine direkte Tür zur Schule. Man müsste jetzt nicht noch mal irgendwie das Gebäude verlassen, um in die Schule zu gehen. Es hat eben früher alles noch einen Schulbetrieb umfasst.

Oliver Springer: Es ist groß.

Janik Wetzel: Ja!

Oliver Springer: Das kann ich auf jeden Fall sagen, und natürlich dafür auch sehr gut geeignet, dann für öffentliche Nutzung, die ja zum Teil viel Platz braucht.

Janik Wetzel: Ja, genau.

Oliver Springer: Das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim, das zeigt ja nicht nur Dauer-, Sonder-, und Wanderausstellungen. Es gibt auch Veranstaltungen.

Janik Wetzel: Genau, wir haben [ein] recht diverses Veranstaltungsprogramm bei uns im Haus. Jetzt seit 2020 und seit der Pandemie haben wir auch zum Beispiel draußen noch so eine kleine Agora vor dem Eingang, wo man auch draußen Veranstaltungen organisieren und durchführen kann.

Das reicht von Lesungen, also, wir haben zum Beispiel eine Lesereihe, die hier im Haus viel stattfindet: “Berliner Gegenwartsliteraturen”, wo es viel um Berliner Literatur oder besonders auch Literatur, die an den Bezirk angrenzt, gehen soll. Es finden im Kino Filmveranstaltungen statt, da gibt es eine Filmreihe “Schaufenster des Westens”, die schon lange von Christine Kisorsy zum Beispiel kuratiert wird und auch eben historisches Filmmaterial aus den Archiven zeigt. Es finden natürlich viele Führungen statt und …

Oliver Springer: Gut, Archiv und Bibliothek hatten wir ja schon kurz angesprochen, dann kommen wir mal, weil wir sowieso nicht alles ansprechen können, noch vielleicht zu einer Sache, die Sie herausgreifen.

Janik Wetzel: Ja, was mich momentan noch beschäftigt, weil wir jetzt auch viel über die Dauerausstellung “WESTEN!” gesprochen haben: Ich habe jetzt auch im Zuge meines Volontariats noch mal – und dadurch, dass wir auch in der Sonderausstellung jetzt viel Berliner oder Charlottenburger Kolonialgeschichte auch erzählen, wird es auch jetzt zum Ende des Jahres noch mal eine Intervention in der Dauerausstellung geben, die noch mal verschiedene Eckpunkte der Bezirksgeschichte im, also nicht nur in Zeiten des formellen Kolonialismus, sondern auch in Angrenzung an koloniale Strukturen thematisiert, weil es eben bisher in der Dauerausstellung kein Thema war. Und das ist jetzt weniger eine Intervention, die jetzt in bestehende Narrationen einschreitet, sondern vielmehr … Es ist so eine Art Ergänzung von Geschichten, die eben noch nicht in der Ausstellung stattgefunden haben und jetzt erzählt werden.

Oliver Springer: Wo genau in Charlottenburg befindet sich die Villa Oppenheim und zu welchen Zeiten kann man hier vorbeikommen?

Janik Wetzel: Wir sind recht zentral hier, gelegen in der Nähe des Schlosses. Man sagt auch irgendwie manchmal so ein bisschen spielerisch Charlottenburger oder Westberliner Museumsinsel, weil hier so viel zusammenkommt: Man kann sich das Schloss anschauen, das Käthe-Kollwitz-Museum, Bröhan, Sammlung Scharf-Gerstenberg also, man kann ja auch ein langes Museumswochenende verbringen, und …

Oliver Springer: Man kann aber auch schnell vorbeilaufen, weil …

Janik Wetzel: Genau!

Oliver Springer: … einerseits ja die Schloßstraße da ist, aber eigentlich geht’s ja hier noch hinein.

Janik Wetzel: Genau, wir sind oft auch ein bisschen versteckt, muss man sagen. Also wenn man quasi die Schloßstraße Richtung Schloss geht, biegt man rechts in der Ansicht auf das Schloss in den Otto-Grüneberg-Weg ein und sieht dann aber auch schon die Villa Oppenheim. Es kommt auch oft vor, dass viele Leute die Gegend und die Museumsgegend auch eher kennen, über andere Museen, vielleicht andere Standorte und sich dann freuen, noch ein weiteres entdeckt zu haben, das vielleicht ein bisschen versteckt lag neben den anderen.

Die Adresse die Schloßstraße 55, Otto-Grüneberg-Weg ist die kleine Abzweigung rechts vorm Schloss. Man kommt gut mit der U2 hin: sophie-Charlotte-Platz. Unten kann man aussteigen, um eben hochzukommen, Ringbahn Westend geht auch, die M45 [Buslinie]. Das sind so die …

Oliver Springer: Dann hat man noch einen gewissen Fußweg oder nimmt man den Bus. Aber das geht eigentlich, ja.

Janik Wetzel: Genau, nach Wetterlage, ja. Wir haben dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, am Samstag, Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17.

Oliver Springer: Kostet das was?

Janik Wetzel: Nee, das ist kostenfrei bei uns, also auch …

Oliver Springer: Hat der Steuerzahler schon bezahlt.

Janik Wetzel: Genau.

Oliver Springer: Wirklich kostenlos ist es nicht, aber man gönnt sich ja sonst nichts, ja. In der Umgebung gibt es ja noch einige Museen. Haben Sie ja schon angesprochen, und Sehenswürdigkeiten und es gibt ja immer wieder Touristengruppen. Es ist … Manchmal muss man sich da durchdrängen, also die Gegend an sich ist wirklich gut besucht.

Was mich so ein bisschen neugierig macht, ist, ob auch Touristen aus fernen Ländern hier vorbeischauen, und sei aus Versehen.

Janik Wetzel: Ja, ab und an tatsächlich und aus Versehen auch häufiger als man denkt, weil das Schloss eben auch so eine große Anlaufstelle für Tourismus aus anderen Ländern ist.

Für die aktuelle Sonderausstellung merken wir aber auch, dass noch mal ein internationales Publikum anspricht, weil die eben auch zweisprachig von vornherein verfasst wurde, also in Deutsch und Englisch.

Oliver Springer: Was mich zu Anfang so ein bisschen verwirrt hatte, noch bei der Recherche, war, dass die Website den Namen der Villa Oppenheim trägt.

Janik Wetzel: Ja.

Oliver Springer: Weil‘s ja doch … Man sucht nach dem Museum und wenn man das noch nicht weiß, wo das ist, dann muss man’s erst lernen.

Janik Wetzel: Das stimmt. Also, wir formulieren uns immer so ein bisschen als das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim. Wie sich jetzt die URL zusammengesetzt hat, das, dazu kann ich jetzt nichts Konkretes sagen, aber ich finde das so als, um über den Ort zu sprechen, finde ich es eigentlich immer ganz schön, auch die Villa Oppenheim zu nennen, weil es ebenso die Geschichte des Ortes über die Institution stellt, weil wir quasi eine öffentliche Einrichtung sind, die in dem historischen Gebäude untergebracht ist, genau.

Aber auf Social Media ist es nicht anders, da sind wir auch “@villaoppenheim”, also da auf jeden Fall auch der Hinweis.

Oliver Springer: Dann weiß man das. Gut, dann sage ich an dieser Stelle: Danke fürs Mitmachen.

Janik Wetzel: Ja danke auch. Schön, dass es geklappt hat.

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